7. – 10. Schuljahr

Dirk Witt

Warum heißt die Straße so?

Forschendes Lernen im historischen Anfangsunterricht unterstützend initiieren, durchführen und reflektieren

Schülerinnen und Schüler im historischen Anfangsunterricht besitzen zahlreiche Erfahrungen im Bereich des forschenden Lernens. Einerseits erschließen sich Kinder ihre Umwelt forschend-entdeckend, andererseits wurden im Sachunterricht der Grundschule wertvolle Lerngelegenheiten geschaffen. Dieses Wissen, diese Fähigkeiten sowie Fertigkeiten gilt es im Geschichtsunterricht zu diagnostizieren, zu nutzen und auszudifferenzieren.
Forschendes Lernen im Geschichtsunterricht ermöglicht, handlungsorientiert und erfahrungsbasiert historische Arbeits- und Denkprozesse exemplarisch zu durchlaufen, um anschließend die gewonnenen Erkenntnisse sowie die erworbenen Fähigkeiten transferieren zu können. Dieser historische Lernprozess ist nur dann nachhaltig, wenn er bewusst erlebt und reflektiert wird.
Spuren der Vergangenheit finden die Schülerinnen und Schüler in ihrem unmittelbaren Nahbereich. Ob es die Kirche im Ort ist, Straßennamen oder Sportvereine, sie alle haben ihre eigene Geschichte. Oftmals wird dies durch die Kinder nicht bewusst wahrgenommen und als gegeben akzeptiert. Dieses Potenzial kann für den historischen Anfangsunterricht gehoben und genutzt werden. Dazu nehmen sie in einem kleinen handlungsorientierten Projekt die Rolle von Historikerinnen und Historikern ein und erleben deren fachspezifischen Arbeits- und Denkweisen. Sie erkunden deren Arbeitsschritte, lösen spezifische Probleme und kommen, ebenso wie die Fachwissenschaften, zu Ergebnissen. Diese Erfahrungen bilden das Gerüst für kumulatives Lernen (Witt 2012).
Didaktische Überlegungen
Straßennamen als Lerngegenstand für das Forschervorhaben zu nutzen, hat viele Vorzüge. Sie sind allen Schülerinnen und Schülern bekannt, manche haben vielleicht sogar Vorwissen zur Bedeutung bzw. zu ihrer Historie. Gleichzeitig rufen einige besondere Straßennamen das Interesse der Lernenden hervor, Straßennamen aus dem Umfeld der Schülerinnen und Schüler bieten Identifikationspotenzial. Sie sind ein guter, erfassbarer Zugang zum Themenfeld Geschichtskultur. Straßennamen kann man vor Ort erforschen oder mithilfe von Karten im Klassenraum. Das Forschen kann mithilfe von fachspezifischen Arbeitsweisen und Medien erfolgen. Befragungen, Arbeiten im Stadtteilarchiv, Auswertungen von Textquellen und historischen Karten befördern das Methodenrepertoire der Schülerinnen und Schüler.
Unterrichtsdramaturgie
Mithilfe des Informationstextes Arbeitsblatt1 werden die Schülerinnen und Schüler auf das Forschungsvorhaben eingestimmt. Jedes Kind wird sich zu den Aussagen äußern können. Deshalb muss genügend Zeit für das offene Gespräch zur Verfügung gestellt werden, sodass alle Lernenden ihr Vorwissen aktivieren können und ihr subjektives Konzept öffnen. In der Regel geschieht dies, indem sie erste spontane Fragen formulieren.
Im Anschluss wird die Lernrichtung der Klasse auf die übergeordnete Forscherfrage „Warum heißt die Straße so? ausgerichtet. Dazu sammeln die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen bekannte Straßennamen. Haben die Kleingruppen eine ausreichende Anzahl an Straßennamen auf Karten notiert, werden sie aufgefordert, gemeinsam zu überlegen, wie man diese clustern kann. Dabei werden die Lernenden sehr unterschiedliche Kategorien finden. Diese Lernergebnisse werden in der Klasse zusammengetragen und die jeweils gefundenen Kategorien diskutiert. Hinter diesen Kategorien stecken „Arbeitshypothesen, die es im nächsten Lernschritt bewusst zu machen gilt. In der Regel ergeben sich vier Kategorien: Personen (Lutherplatz), Berufe (Schmiedegasse), Orte (An der Kirche) bzw. als Hinweis auf die frühere Nutzung (Kornmarkt).
Die Klasse erhält im Anschluss die Möglichkeit mithilfe eines Stadtplanes bzw. einer Google-maps-Suche weitere Straßennamen zu recherchieren und den vier Kategorien zuzuweisen. Anschließend findet...

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