8. – 13. Schuljahr

Dirk Belda

und wie war es eigentlich hier?

Die Geschichte des lokalen Fußballvereins im Nationalsozialismus

Die lokalhistorische Arbeit mit Archivquellen erfordert umfassende Kompetenzen, zu denen die Lernenden angeleitet werden können. Neben der Formulierung von historischen Fragen stellen besonders die sorgfältige Recherche sowie die Strukturierung der gewonnenen Informationen eine große Herausforderung für die Schülerinnen und Schüler dar. In diesem Beitrag werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie dieser Prozess unter den Bedingungen der Digitalisierung auf abwechslungsreiche Art und Weise gestaltet werden kann.
Lebensweltbezug
Für die historische Recherche eignet sich besonders die Aufarbeitung der Vereinsgeschichte des lokalen Fußballvereins. Die Nähe zum Wohnort und persönliche Identifikationen mit Vereinen ermöglichen den Schülerinnen und Schülern einen motivierenden, lebensweltlichen Bezug. Zudem identifizieren sich mit dieser Sportart seit ihrer Ausbreitung in der Weimarer Republik Angehörige aller Gesellschaftsschichten, sodass die Erforschung der lokalen Vereinsgeschichten Einblicke in die Alltagswelt der Gesellschaft der damaligen Zeit ermöglicht.
Sachanalyse
Im Jahr 2000 feierte nicht nur der Deutsche Fußball-Bund e.V. (DFB) sein hundertjähriges Jubiläum, sondern auch zahlreiche Fußballvereine. Die darauf folgenden Jahre stellen eine „Trendwende (Eggers 2001) in der wissenschaftlichen Wahrnehmung des Fußballsports in Deutschland dar. Indem das Verhalten des Verbandes und der Vereine bis zum Jahr 2000 vor allem politisch-ideologisch interpretiert und diese als weltanschauliche Gesinnungsgemeinschaften aufgefasst wurden, konnten Selbstgleichschaltungen, Ergebenheitsadressen und viele ideologische Verhaltensweisen erklärt werden.
Gleichsam wurde die Internationalität des Fußballsports, ihre an wirtschaftlichen und sportlichen Maßstäben orientierten Entscheidungen, die mangelnde oder ausbleibende Umsetzung von Beschlüssen, die unpolitischen Eigenlogiken folgten, bis zur Jahrtausendwende weitgehend vernachlässigt (Herzog 2009, S. 51 – 53). War das Verhalten der Fußballer und Funktionäre vorwiegend parteipolitisch-weltanschaulich motiviert oder sind die opportunistischen Statements vieler Fußballfunktionäre nicht eher dadurch zu erklären, dass ihre Vereine möglichst unangetastet bleiben sollten und sie den sportlichen Erfolg sowie die Wirtschaftskraft maximieren wollten (Herzog 2009, S. 59)? Um diese und änliche Fragen zu beantworten und ein möglichst differenziertes Bild vom lokalen Fußballverein in dieser Zeit zu erhalten, ist eine Auswertung von unterschiedlichen Archivquellen notwendig.
Recherche
Insbesondere die zeitgenössische Presse beinhaltet, obwohl sie gleichgeschaltete Meinungen präsentierte, eine Fülle von Informationen und Recherchehinweise über den Verein. Oft finden sich dort auch objektive Berichte der Vereinsversammlungen. Ausführlichere, administrative Einblicke bieten die Vereinsregister, die bei den Registerabteilungen der Amtsgerichte geführt werden.
Vor der Kontaktaufnahme mit den Institutionen empfiehlt es sich, auf den Internetseiten die Ansprechpartner zu recherchieren. Meist reagieren die Archivmitarbeiter sehr positiv auf schulische Anfragen. Dies war auch im Stadtarchiv Offenbach der Fall, das die historische Projektarbeit mit zahllosen Rechercheideen unterstützte.
Darüber hinaus kann die Aufarbeitung, je nach Erkenntnisinteresse, unterschiedlich ausdifferenziert werden. In den Sammelbänden mit zahlreichen Vereinsstudien lassen sich folgende inhaltliche Schwerpunkte feststellen:
  • Zeitlich: Der Prozess der Gleichschaltung wird vertiefend analysiert, da in dieser Phase zahlreiche maßgebliche Änderungen erfolgten (Herzog 2016).
  • Akteurszentrierte Ansätze: Täter und Opfer, wie das Schicksal jüdischer Vereinsmitglieder, werden thematisiert (Schulze-Marmeling 2005; Peiffer/Schulze-Marmeling 2008).
  • Diskursgeschichtliche Ansätze: Betrachtet werden z.B. die...

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