5. – 10. Schuljahr

Heike Wolter

Nichts mehr wie zuvor

Die Pest von 1348

Die Pest war ein für die Mitte des 14. Jahrhunderts in Europa bestimmendes Thema. Etwa 30 Prozent der europäischen Bevölkerung einzelne Forscher gehen sogar von bis zu 60 Prozent aus starben an den Folgen dieser aus Asien über den Mittelmeerraum nach Europa eingeschleppten Pandemie. Ganze Landstriche verödeten, gesellschaftliches Leben kam zum Erliegen, Regeln des menschlichen Miteinanders blieben unbeachtet angesichts der unvorstellbaren Dimensionen der „großen Plage, der „Seuche, des „schwarzen Todes. So wurden Männer, Frauen und Kinder unterschiedslos von der Erkrankung getötet, erfuhren zuvor jedoch oft ein Ausgestoßensein „ein einsamer Tod inmitten eines Massensterbens. Die europäische Welt veränderte sich durch diese Erfahrung, denn hier wurde die existenzielle Bedrohung des Menschen für Angehörige aller Bevölkerungsschichten greifbar und bedrängend. (Bergdolt 2017, S.9f.)
Der Verlauf der Pest ist für die oberitalienische Stadt Florenz besonders gut belegt. Hierher stammt nämlich die Überlieferung von Giovanni Boccaccio, der die Krankheit zwar nicht selbst in der Stadt erlebt hat, aber doch durch persönliche Beziehungen und die rasche literarische Verarbeitung ab 1349 durchaus als verlässlicher Gewährsmann gelten kann. Boccaccio beschreibt in seiner Novellensammlung „Das Dekameron auch die unterschiedlichen Reaktionen der Menschen auf die Bedrohung: Genuss und Sinnesfreude, auch Ungezügeltheit auf der einen Seite Selbstkasteiung und Rückzug auf der anderen Seite. Deutlich wird in Boccaccios Beschreibung wie auch in anderen Zeugnissen der Zeit beispielsweise in einer im Unterricht ebenfalls verwendeten Chronik der Stadt , dass in Florenz trotz seiner Stadtverfassung bald religiöse, moralische, gesellschaftliche und soziale Regeln kaum noch galten. (Bergdolt 2017, S.57 – 64)
Forschend-entdeckendes Lernen kann im Geschichtsunterricht durch einzelne Schritte dieses Prozesses eingeübt werden. Die vorliegende Unterrichtsstunde mag dadurch relativ klassisch verlaufen, bereitet Schülerinnen und Schüler aber insbesondere in der Erarbeitung auf die selbstständigen Tätigkeiten des forschend-entdeckenden Zugangs vor. Neben der zentralen Operation des Fragens ist besonders wichtig, sich der Relevanz einzelner Quellen und Darstellungen für eine historische Problemstellung klar zu werden. Somit sollen sowohl Analyse- und Interpretations- als auch Gattungskompetenz in der Einheit zur Pest in Florenz gefördert werden.
Die Pest ist ein lehrplankonformes Thema zum Geschichtsunterricht über das Mittelalter und wesentlicher Bestandteil der Umbrüche, die am Ende des Mittelalters virulent werden. Da die Unterrichtsstunde zunächst allgemeines Wissen über die Pest generiert, ist kein konkretes Vorwissen nötig. Ziel der Einheit ist es, einerseits den Umbruchscharakter der Zeit zu verdeutlichen, andererseits durch die Analyse unterschiedlicher Quellen forschend-entdeckendes Lernen zu ermöglichen.
Unterrichtsdramaturgie
Die Unterrichtsstunde beginnt mit der Bildquelle eines Pestarztes von Paul Fürst mit dem Titel „Der Doctor Schnabel von Rom (Material1 ). Rasch führt die Frage nach der gezeigten Person direkt zum Unterrichtsthema Pest – entweder über Vorkenntnisse oder über freie Assoziation oder durch die bei Bedarf bekanntzugebende Bildunterschrift. Der Hinweis darauf, dass die Pest mindestens ein Drittel der europäischen Bevölkerung hinwegraffte, leitet zum Stundenthema „Nichts mehr wie zuvor Die Pest von 1348 über.
Erwartungshorizont
Erwartungshorizont
Arbeitsblatt 1
Die Pest in Florenz ein Spielfilm (ausgedacht) aus dem Jahr 1919
Eignung:
  • Nein, denn aus Filmen erhält man zwar eine Idee über eine Zeit, aber der Film ist ausgedacht. Solche Filme wirken nur real. Auch wenn Filmemacher historische Korrektheit anstreben, haben sie keine Verpflichtung, diese zu erreichen.
Kirchenbücher aus Florenz, die auflisten, wie viele Leute 1348...

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