1. – 13. Schuljahr

Martin Cremer

Textquellen im Geschichtsunterricht

Eine umfassende und praktische Monografie auf dem neuesten Stand der Forschung

Der Anspruch Michael Sauers ist äußerst ambitioniert: Wer dieses Werk gelesen hat, verfügt über alles, um gute Textquellenarbeit zu initiieren und zu betreiben, nämlich Basiskenntnisse, Grundeinstellungen, Qualitätsmaßstäbe und Methoden. Das verspricht der Autor gleich zu Beginn des Buchs.
Die Monografie gliedert sich in drei große Komplexe: Ein recht kurzer Abriss über Ziele und Probleme der Textquellenarbeit, gründliche Ausführungen zu den einzelnen Quellengattungen sowie ein sehr nützlicher Abschnitt zur Praxis der Textquellenarbeit. Jedes Kapitel stellt der Autor mit einer kleinen Einleitung vor, die deutlich macht, was den Leser erwartet. Die Aussagen werden stets durch Beispiele aus der Praxis illustriert und bieten ganz nebenbei einen wunderbaren Fundus an schriftlichen Quellen aus wichtigen Epochen der Geschichte. Ein Literaturverzeichnis auf dem neuesten Stand rundet das Buch ab. Zusätzlich gibt es wichtige Hinweise, wo man schriftliche Quellen finden kann, Internetadressen inklusive. Sehr leserfreundlich ist der Ansatz, die einzelnen Kapitel auch separat nutzen zu können.
Im ersten Kapitel gibt der Verfasser, Fachdidaktikprofessor an der Universität Göttingen, einen kleinen Überblick über die Geschichte der Quellenarbeit und deren Bedeutung. Sauer betont dabei besonders die Zielsetzung, den Blick für unterschiedliche Perspektiven zu schärfen und damit Sinnbildung über Zeiterfahrung ganz im Sinne Jeismanns zu verfolgen. Schülerinnen und Schüler sollen Geschichte mit Hilfe von schriftlichen Quellen konstruieren. Die Grenzen eines so gestalteten Unterrichts problematisiert der Autor praxisnah. Potenziale sieht er im Einüben fachspezifischer Verfahren, im Erkennen des Konstruktcharakters, dem Unterscheiden verschiedener Quellengattungen, dem selbständigen Deuten und Urteilen sowie dem authentischen, konkreten Erfahren der Vergangenheit, zumindest in Ausschnitten. Für den Praktiker stellt er ein Kompetenzraster zur Verfügung, um Fähigkeiten der Lernenden differenziert zu diagnostizieren. Der Verfasser plädiert für mehr Qualität in der Quellenanalyse und -interpretation. Das heißt für ihn im Zweifel etwas weniger Quellen zu bearbeiten, diese aber gründlicher zu untersuchen und nicht primär zur Informationsentnahme zu verwenden.
Die Besprechung der Textquellengattungen nimmt die Hälfte des Werks ein.
Dabei ist die Auswahl der schriftlichen Textgattungen recht umfassend. Neben Urkunden und Akten werden Selbstzeugnisse, Zeitungen, Flugblätter und Plakate, aber auch Gedichte, Lieder und Romane thematisiert. Reden und verschriftlichte Zeitzeugenaussagen ergänzen die Sammlung. Ein wenig schade ist das Fehlen inschriftlicher Quellen. Die Erklärungen zu den einzelnen Quellengattungen sind äußerst hilfreich und orientieren schnell über die Eigenarten einzelner Untergattungen. Übersichtliche Informationsblöcke erleichtern einerseits ein konkretes Erschließen und systematisches Analysieren von schriftlichen Quellen, andererseits geben sie der Lehrkraft selbst wichtige Strukturhilfen für die Planung einer Quellenanalyse und -interpretation im Unterricht.
Die Gesamtschau der dargebotenen Quellen zeigt eine alle Epochen und zahlreiche, für den Unterricht relevante Themen umfassende Auswahl. Es gibt Quellen zur Innen- und Außenpolitik, zur Wirtschaft und zur Kultur-, Sozial- und Mentalitätsgeschichte. Die Mischung zwischen zentralen, bekannten Quellen und eher unbekannten, zum Teil sogar fremdsprachig vorgelegten Quellen bildet einen interessanten und sehr passenden Fundus. Besonders aufschlussreich sind exemplarische Vergleiche von Quellen im Faksimile mit verschiedenen Formen der Bearbeitung oder von verschiedenen Textüberlieferungen. So wird die Ausrufung der Republik durch Scheidemann in drei Versionen nebeneinander gestellt. Die Kapitel sind mit einer Fülle...

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