9. – 13. Schuljahr

Ulrich Schnakenberg

Das europäische Epochenjahr in der Karikatur

Polen, Ungarn, DDR, Rumänien, Sowjetunion 1989

Der Sturz der kommunistischen Regime Osteuropas im Epochenjahr 1989 kam selbst für viele Experten überraschend. Mit einem derart raschen, radikalen und gleichzeitig weitgehend unblutigen Umsturz hatten nur die größten Optimisten gerechnet.
Anhand von vier pointierten, bislang eher unbekannten, Karikaturen thematisiert das vorliegende Unterrichtsmodell, das ab Klasse 9 und 10 eingesetzt werden kann, die wesentlichen politischen Ereignisse in Mittel- und Osteuropa in den Monaten vor und nach dem Mauerfall vom 9. November 1989.
Einbettung der Einheit in den Unterricht
Der Lehrplan für Nordrhein-Westfalen sieht für die Qualifikationsphase explizit eine Behandlung des „Epochenjahres 1989 vor. Das Quellenmaterial ist dabei auf die Erarbeitung der obligatorischen Unterthemen, „Der Untergang der Sowjetunion und die Revolutionen in Osteuropa und „Die Vereinigung der beiden deutschen Staaten 1989/1990, zugeschnitten. Je nach Leistungsstand der Klasse und vorhandener Methodenkompetenz, sind die Karikaturen aber auch schon am Ende der Sekundarstufe I einsetzbar.
Die Unterrichtseinheit setzt bei der unmittelbaren Vorgeschichte des Epochenjahres 1989 ein. So thematisiert die Karikatur „Osteuropäischer Geleitzug im Winter 1988/89 vom 29. Dezember 1988 (Q1 ) vor allem die Bedeutung der von Gorbatschow angestoßenen politischen und wirtschaftlichen Öffnung der Sowjetunion (Glasnost und Perestroika). Karl-Heinz Schoenfeld, der Zeichner, prophezeit zugleich weitsichtig die führende Rolle, die Polen und Ungarn im beginnenden Reformprozess haben werden. Diese federführende Rolle greift Peter Leger mit seinem Kommentar zur Öffnung der österreichisch-ungarischen Grenze, der ersten Lücke im Eisernen Vorhang, in der Karikatur Q2 wieder auf.
Der 9. November 1989: Umsturz und Auflösung des „Ostblocks
Nach dem Fall der Mauer rückte sodann die Frage einer möglichen Wiedervereinigung der 44 Jahre getrennten beiden deutschen Staaten in den Mittelpunkt; eine Frage, die Deutschland nur in Abstimmung mit den Siegermächten des Zweiten Weltkrieges entscheiden konnte. Wie der Zeichner Klaus Pielert (Q3 ) zeigt, waren die Ängste der Nachbarn vor einer (ökonomischen) Übermacht Deutschlands in Europa zunächst erheblich.
Während die Wende in Polen, Ungarn, der Tschechoslowakei und der DDR zurecht als „friedliche Revolution bezeichnet wird, erfolgte der Umsturz in Rumänien deutlich blutiger, auch, weil der Diktator Ceaucescu nicht zu einem freiwilligen Machtverzicht bereit war. Den Abschluss der Befreiung Osteuropas vom Kommunismus bildeten schließlich die Unabhängigkeitsbestrebungen bzw. -erklärungen der baltischen Staaten und weiterer ehemaliger sowjetischer Republiken, die am Ende zur Auflösung der UdSSR führen sollten (vgl. die Karikatur Gerhard Mesters vom 23. November 1989, Q4).
Flexibel einsetzbar: Hinweise zur Verwendung der Karikaturen im Unterricht
Der Einsatz der Karikaturen innerhalb einer Unterrichtssequenz zum Epochenjahr 1989 muss keiner festgelegten Reihenfolge folgen, vielmehr sind alle Materialien flexibel verwendbar. Textquellen sind je nach Bedarf zu ergänzen.
Eine weitere Möglichkeit ist, die Karikaturen oder eine Auswahl der Karikaturen dafür zu nutzen, das Ende der Unterrichtseinheit zu gestalten, sie also im Rahmen eines wiederholenden Reihenabschlusses zu nutzen. In diesem Fall erschließen die Schülerinnen und Schüler arbeitsteilig je eine Zeichnung in Gruppenarbeit und präsentieren sie anschließend dem Plenum.
Gute Erfahrungen habe ich auch mit einer Karikaturenrallye vergleichbar einem Lernen an Stationen gemacht. Hierbei werden die Lernenden in vier Gruppen eingeteilt und analysieren nacheinander alle Karikaturen, die an im Klassenraum verteilten „Stationen ausliegen. Im anschließenden Plenumsgespräch stellt jede Gruppe eine Karikatur vor, während die anderen die...

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