1. – 13. Schuljahr

Franziska Conrad

Das „dreifache ErinnerungsjahrErinnern an die Weimarer Republik, das Grundgesetz und den Mauerfall: 2019 als Chance für einen Geschichtsunterricht auf der Höhe der Zeit

2019 wird nicht nur an den Mauerfall in Deutschland und die Transforma-tionsprozesse in den Ländern des ehemaligen Ostblocks erinnert, sondern auch an die Gründung der Weimarer Republik vor 100 Jahren.
Zu Beginn des Gedenkjahres wurde im öffentlichen Diskurs an das Inkrafttreten des Frauenwahlrechts am 19.1.1919 erinnert. Dieses Ereignis kann im Unterricht herangezogen werden, um zum einen die Geschichte des Frauenwahlrechts zu rekonstruieren und die politsche Arbeit der Vorkämpferinnen wie Louise Otto-Peters (1819 – 1895) oder Hedwig Dohm (1831 – 1919), zu erforschen, zum anderen um Deutungen im öffentlichen Erinnern zu thematisieren. Im Mittelpunkt des Erinnerungsdiskurses steht dabei zumeist die Tatsache, dass Frauen heute in der Politik unterrepräsentiert sind. In diesem Zusammenhang sei auf den Blog des Deutschen Frauenarchivs in Kassel verwiesen (s. Links). Mithilfe der dortigen Informationen lassen sich leicht Fakten und Deutungen in einer Unterrichtsstunde erarbeiten.
Ab dem 6. Februar 2019, dem 100. Jahrestag des Zusammentretens der Weimarer Nationalversammlung, steht die Weimarer Verfassung im Mittelpunkt des Erinnerns und Gedenkens. Mit einem Festakt wurde an die Geburtsstunde der Weimarer Nationalversammlung und der Weimarer Verfassung erinnert. Auszüge aus den Reden von Bundespräsident Steinmeier, von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Thüringens Ministerpräsident Ramelow können im Unterricht eingesetzt werden, um zu verdeutlichen, dass Erinnern immer aus der Perspektive der Gegenwart heraus erfolgt, daher verschieden akzentuiert sein kann und unterschiedliche Sinnangebote macht: Erinnern und Gedenken dient häufig der Schaffung politischer Identität in der Gegenwart und zielt auf ein bestimmtes politisches Handeln ab.
Spätestens ab dem 23. Mai 2019, dem „70. Geburtstag des Grundgesetzes, wird das Erinnern an Weimar unser Grundgesetz und die Verfassung von 1919 in ein gemeinsames Narrativ verpackt. Bundespräsident Steinmeier brachte diesen Bezug in einer Rede folgendermaßen zum Ausdruck: „Ich glaube, die neue Aufmerksamkeit für das Grundgesetz aber auch für die Weimarer Reichsverfassung, deren 100. Geburtstag wir in diesem Jahr ebenfalls feiern , diese Aufmerksamkeit hat auch etwas mit der neuen Beunruhigung über die Lage der liberalen Demokratie zu tun.
Hier wird deutlich, dass der verbindende Tenor die Aufforderung darstellt, die Demokratie zu bewahren und sich Risikofaktoren gleich jener der Weimarer Zeit bewusst zu sein. Erinnerung und Gedenken an beide Verfassungen sollen die Identifikation mit der Demokratie stärken und vor der Gefahr verfassungsfeindlicher Tendenzen warnen. Der Vergleich der Erinnerung an die Jahrestage der Weimarer Verfassung und des Grundgesetzes stellt also für den Geschichtsunterricht eine große Chance dar; zum einen kann untersucht werden, welche Konsequenzen die Mütter und Väter des Grundgesetzes aus dem Scheitern der Weimarer Republik für die Neuordnung Bundesrepublik gezogen haben, zum anderen können die Werte und Identitätsangebote, die beim Erinnern und Gedenken transportiert werden, untersucht und diskutiert werden.
Schließlich fehlt im dreifachen Erinnerungsjahr 2019 auch nicht der Bezug zwischen Weimar, Grundgesetz und der deutschen Einigung 1989/90. So forderte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble schon am Tag der deutschen Einheit 2018 in Berlin z.B. dazu auf, aus der Geschichte zu lernen und allen demokratiefeindlichen Bestrebungen eine Absage zu erteilen.
Das Jahr 2019 bietet also geeignete Anlässe, um die Geschichte der deutschen Demokratie und der Gleichberechtigung von Männern und Frauen mit Schülerinnen und Schülern zu untersuchen und das öffentliche Erinnern und Gedenken im Hinblick auf Wirkungsabsicht, Wertvorstellungen,...

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