1. – 13. Schuljahr

Steffen Barth

Concept Cartoons

Historisches Denken sichtbar werden lassen

Concept Cartoons sind Zeichnungen, in denen eine Gruppe von Menschen „lebensweltliche Fragen mit einem fachspezifischen Kern (S. 6) diskutiert. Dieser Kern erscheint auf den ersten Blick nicht wissenschaftlich. Vielmehr tritt zunächst der Bezug zur Lebenswelt und zum Alltag der Lernenden hervor. Offene Leitfragen charakterisieren den Inhalt, in Sprechblasen finden sich Antworten darauf. Eine dieser Antworten muss wissenschaftlich fundiert bzw. akzeptabel sein, die übrigen können und sollen gängige Vorstellungsmuster von Lernenden repräsentieren.
Als Medium spielten Concept Cartoons bisher im Geschichtsunterricht, anders als in naturwissenschaftlichen Fächern, keine nennenswerte Rolle. Die Zielsetzung der Autoren ist daher, darzulegen, wie damit historisches Lernen angeregt werden kann.
Was leisten also Concept Cartoons konkret für historisches Lernen? Sie ermöglichen es zum einen, Konzepte und Wissensstrukturen von Lernenden sichtbar zu machen, indem diese im Geschichtsunterricht artikuliert werden können. Sie dienen also der Diagnostik, weil Lehrkräfte in der Unterrichts-praxis eine Möglichkeit erhalten, zu erfahren, mit welchen Vorstellungen zu bestimmten Themen (z.B. Sklaven in der Antike, Hitlers Rolle im NS-Herrschaftssystem) die Lernenden in den Unterricht kommen. Wenn historisches Lernen nachhaltig sein will, muss die Arbeit im Unterricht an diese vorhandenen Wissensbestände und Konzepte anknüpfen. Eben diese Vernetzung wird auch durch die Arbeit mit Concept Cartoons ermöglicht ihr zweites wesentliches didaktisches Potenzial.
Bei der Diagnostik geht es nicht darum, „die richtige Antwort herauszufinden, sondern darum, individuelle Reflexionen bei den Lernenden anzuregen (S. 6). Dies geschieht, indem sich die Lernenden zu den einzelnen Stellungnahmen, die von den Personen in dem Concept Cartoon geäußert werden, positionieren und ihre Sichtweise argumentativ begründen. Diagnostisch aufschlussreich ist dies deshalb, weil die im Cartoon repräsentierten Statements auf der Grundlage von empirischen Untersuchungen und aus bereits durchgeführten und publizierten Studien erstellt wurden. Damit repräsentieren sie gewissermaßen Typen von Konzepten, die sich bei Lernenden häufig finden.
Eine Vernetzung von bestehenden Vorstellungen und Wissensbeständen mit Neuem ist beispielsweise dadurch möglich, dass die diskutierte Frage im Cartoon als Ausgangspunkt für eine vertiefte Beschäftigung genommen wird und anschließend die Statements wiederum auf ihre Triftigkeit und Plausibilität überprüft werden. Insgesamt werden zehn methodische Grundarrangements vorgeschlagen, mit denen Concept Cartoons auf unterschiedlichste Weise für historisches Lernen genutzt werden können. Der Band enthält elf zum Einsatz im Unterricht ausgearbeitete Concept Cartoons, deren Konstruktion und didaktisches Potenzial jeweils kurz erklärt wird. Darüber hinaus werden auch Hinweise zu deren individueller Anpassung auf Lerngruppen gegeben und Differenzierungsmöglichkeiten aufgezeigt. Am Ende findet sich auch eine Kopiervorlage mit leeren Sprechblasen.
Den Autoren gelingt es, die Möglichkeiten von Concept Cartoons deutlich zu machen, wenn sich auch die einführenden Erläuterungen teilweise sehr redundant lesen. Obwohl nicht alle präsentierten Concept Cartoons in ihrer Konstruktion überzeugen konnten, werden deren Potenziale für die Unterrichtspraxis, insbesondere für eine schnelle und praktikable Diagnostik, grundsätzlich deutlich. Gerade in der Sek. I ermöglicht der Anschluss an Schülervorstellungen als Ausgangspunkt historischen Lernens Raum für Fragen und Diskussionen. Auch sprachliche Barrieren lassen sich mit entsprechend gestalteten Cartoons überwinden, und schwierige Sachverhalte und Begriffe können visualisiert werden. Wesentliches Potenzial für historisches Lernen birgt auch, dass Schülervorstellungen bei der Planung und Durchführung von...

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