1. – 13. Schuljahr

Friederike Runge

Back to basics

Wortverarbeitungsprogramme im Geschichtsunterricht?

Computer sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Nur deutsche Klassenzimmer scheinen als letztes gallisches Dorf noch immer Widerstand zu leisten. Diesen Eindruck vermitteln zumindest Studien der vergangenen Jahre, die nahelegen, dass Lehrkräfte entgegen dem herrschenden Ruf nach mehr Digitalisierung dem Einsatz von Computern im Unterricht skeptisch gegenüberstünden und Potenziale zur Schulentwicklung ungenutzt ließen. Im Medienecho spiegelte sich ein Anspruch an Bildungseinrichtungen, nicht den Anschluss an eine zunehmend technologisierte Welt zu verlieren. Solche Forderungen werden in fachdidaktischen Kreisen kritisch aufgenommen. Der lernbezogene Mehrwert des Einsatzes von Computern im Unterricht ist noch immer umstritten. Was genau sollen Schülerinnen und Schüler am Computer lernen, was nicht auch auf herkömmlichem Wege erreichbar ist? Zumal in gesellschaftswissenschaftlichen Fächern wie Geschichte, die nicht im klassischen Sinne technikaffin sind. Was „bringt das Lernen am PC im Geschichtsunterricht, was über den reinen Selbstzweck hinausgeht?
Ansätze computergestützten Geschichtsunterrichts
Überlegungen dazu werden in Deutschland seit etwa zwanzig Jahren angestellt jedoch zögerlich. Um die Jahrtausendwende begann mit dem Einsatz von CD-ROMs der Trend zur Verwendung von digitalen Medien wie Computerspielen oder WebQuests, um historische Welten für Lernende erlebbar zu machen. Auch Geocaching und Aufzeichnungen von Zeitzeugeninterviews fallen in diesen Bereich. Ein zweiter Ansatz fokussiert eher das Selbermachen von Geschichte durch digitale Medien, bspw. durch digital storytelling in auditiven oder visuellen Formaten. Ein dritter Ansatz befasst sich damit, wie man Lernende für die Begegnung mit geschichtskulturellen Interpretationen des Lerngegenstandes wappnen kann, die ihnen aus den sogenannten Neuen Medien entgegenströmen. Hier steht Informationskompetenz im Zentrum. Vernachlässigt werden bei den meisten dieser Herangehensweisen die Techniken historischen Lernens, die bis heute im regulären Geschichtsunterricht dominieren: Lesen und Schreiben. In neueren geschichtsdidaktischen Veröffentlichungen befassen sich Autorinnen und Autoren oft ausschließlich mit der Handhabbarkeit von Etherpad und Co im Schulalltag, nicht jedoch mit dem Akt des Schreibens und Lesens in diesen Medien an sich. Wie aber könnte ein solches Lernen computergestützt gestaltet werden? Und wäre das überhaupt sinnvoll?
Schreiben lernen am Computer
In Großbritannien ist genau dieser Aspekt als History Teaching and ICT (Information and Communication Technology) seit Jahren Bestandteil von Lehrwerken für Geschichtslehrkräfte. Hier bewegen sich Überlegungen erstaunlicherweise nicht ausschließlich in medial attraktiven Bereichen wie Film oder Internet, sondern schließen auch grundlegende Software wie Word oder Excel ein. Im Gegensatz zu aufwendigen, kostenpflichtigen Spezialprogrammen sind diese Programme an den meisten Schulcomputern vorinstalliert und sowohl Lernende als auch Lehrkräfte in vergleichsweise hohem Maße damit vertraut. Ben Walsh beschreibt schon 1998, was bspw. Word gerade für das Fach Geschichte so attraktiv mache:
„[The word processor] can search, annotate, organise, classify, draft, reorganise, redraft and save that fundamental of the historian, the printed word. When we consider these processes, and the implicit difficulties they represent for so many of our pupils, the true power and value of the word processor becomes clear. It is not a typewriter, it is an awesome tool for handling information. (Walsh 1998, S. 6)
Im britischen Fachdiskurs wurde das historische Schreiben am Computer um die Jahrtausendwende als Möglichkeit gehandelt, das Strukturieren einer historischen Argumentation so zu verinnerlichen, dass Lernende es später auch beim Verfassen handschriftlicher Texte reproduzieren können. Bis heute...

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