5. – 10. Schuljahr

Ramona Wagner

Welche Folgen hatte der Krieg für die Bevölkerung?

Tagebücher als Quelle

„Allein der Übel war noch kein Ende. Dies ist einer der wohl prägnantesten und bekanntesten Sätze aus Maurus Frieseneggers (1590 – 1655) Tagebuch aus dem 30jährigen Krieg. Nach einer Handschrift im Kloster Andechs. Er drückt das Elend und die ständige Bedrohung aus, denen die Menschen rund um das Kloster Andechs während des Dreißigjährigen Krieges ausgeliefert waren.
Das berühmte Tagebuch
Abt Maurus Friesenegger verfasste sein Tagebuch zwischen 1627 und 1649 ursprünglich in zwei Bänden in lateinischer Sprache. Aus unbekannten Gründen übersetzte er sein Werk ins Deutsche und überarbeitete es gleichzeitig. Nicht nur aus diesem Grunde gehört das Tagebuch zu den bedeutendsten autobiographischen Zeugnissen seiner Zeit. Ludwig Holzfurtner, Professor für bayrische Landesgeschichte an der LMU München, bezeichnet es als „eine der wichtigsten Quellen für die Bedrängnisse des Dreißigjährigen Krieges in den ländlichen Regionen Bayerns (Holzfurter, S. 553).
Auch wenn Maurus Friesenegger lediglich aus dem Einfluss- und Interessenbereich des Klosters berichtet, sind seine Schilderungen bemerkenswert. Sehr eindringlich berichtet er über die Eindrücke der damaligen Zeit. Diese Qualität macht das Tagebuch zu einer spannenden und lebensweltlichen Quelle für den Geschichtsunterricht.
Die Schilderung des Krieges
Die 1455 gegründete Abtei befindet sich während des Krieges im Überschneidungsbereich zweier befeindeter Gruppierungen: der kaiserlichen und bayerisch-ligistischen Garnisonen in München sowie der schwedisch-protestantischen Truppen an der Grenze zu Schwaben. Bayern war zwar etwa fünf Jahre lang von Kampfhandlungen und feindlicher Besetzung betroffen (Holzfurtner, S. 555). Doch erst als der Krieg in die Reichweite des Klosters vordringt, finden sich im Tagebuch Aufzeichnungen über Kämpfe (Hörger, S. 866ff.).
Immer wieder überfielen demoralisierte Soldaten das Kloster und die umliegenden Dörfer. Dabei war es unerheblich, welcher Garnison sie angehörten die raubenden Truppen stellten sich stets als Belastung für das Kloster dar. Neben den Soldaten setzen den Klosterbewohnern auch Freibeuter, Ernteausfälle, Hunger und Krankheiten zu. Insbesondere die Jahre 1634/1635 waren für die Bevölkerung in der Region mit großem Leid und Schrecken verbunden. Friesenegger beschreibt diese Jahre besonders intensiv.
Es ist zu vermuten, dass Friesenegger in seinen Aufzeichnungen vor allem jene Ereignisse aufgenommen hat, die auch allgemein als besonders bedeutend angesehen wurden. Möglicherweise hat er das Tagebuch mit der Intention der Überlieferung verfasst, da die Aufzeichnungen den annalistischen Charakter von klösterlichen Dokumentationen haben. Hierbei gilt es zu beachten, dass Maurus Friesenegger während der Übergriffe vermutlich nicht im Kloster anwesend war. Der Konvent flüchtete gewöhnlich bis auf wenige Klosterwächter; der Abt war sogar in München untergebracht. Die Aufzeichnungen beruhen aller Wahrscheinlichkeit nach auf Erzählungen der Ortsbewohner oder Konventmitglieder, die selbst bei den Ereignissen anwesend waren oder sie aus den entstandenen Schäden rekonstruierten (Hörger, S. 868).
Didaktische Überlegungen
Im Zentrum der Stunde steht die Erarbeitung von Auszügen aus dem Tagebuch Maurus Frieseneggers unter der Fragestellung, welche Auswirkungen der Dreißigjährige Krieg auf die Bevölkerung hatte. Diese Frage dient der Vertiefung der bereits erarbeiteten Fakten über den Dreißigjährigen Krieg. Die Lernenden sollten bereits einen Überblick über den Kriegsverlauf haben sowie die sich gegenüberstehenden Parteien kennen.
Außerdem wäre es nützlich, die Zentren der Auseinandersetzung zu kennen, um somit das bayerische Kloster Andechs verorten zu können. Die Quellenauszüge umfassen daran anknüpfend die mittelbaren und unmittelbaren Folgen des Krieges auf die Bevölkerung.
Zunächst sollen die Besonderheiten von Tagebüchern...

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