5. – 13. Schuljahr

Matti Kubisch/Anna Stern

„Für wen oder was kämpfen wir eigentlich?

Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien am Beispiel des Dreißigjährigen Krieges

Obgleich der Dreißigjährige Krieg sowohl in der deutschen als auch in der europäischen Geschichte tiefe Spuren hinterlassen hat, bleibt er in vielen Lehrplänen Deutschlands eine Marginalerscheinung, bisweilen wird ihm gar jegliche historische Bedeutung entzogen.
Der Dreißigjährige Krieg ein Glaubenskrieg?
Demgegenüber ermöglicht die Auseinandersetzung mit dem Dreißigjährigen Krieg kreative Gesprächsanlässe im Geschichtsunterricht, damit die Lernenden vor allem ihre Urteilskompe-tenz und Dekonstruktionskompetenz trainieren. Diesbezüglich können die Entwicklungen im Dreißigjährigen Krieg gleichwohl als Schablone zur Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Konflikten und Krisenherden dienen, da sich auch hier die Multikausalität historischer Ereignisse sowie die Multiperspektivität auf dieselben aufzeigen lassen.
In diesem Zusammenhang besitzt der Dreißigjährige Krieg vor allem didaktisches Potenzial, wenn es darum geht, unterschiedliche Perspektiven einzelner Hauptakteure sowie deren Motivation zu hinterfragen und zu beurteilen, inwiefern es sich dabei überhaupt um einen Glaubenskrieg handelte. Werden diese Intentionen gleichzeitig mit Lernarrangements verbunden, die für Schülerinnen und Schüler ansprechend und zeitgemäß sind, können schüler- und problemorientierte Unterrichtsvorhaben realisiert werden, die einerseits den Anspruch erheben, einen modernen Geschichtsunterricht zu praktizieren, und gleichzeitig die Maßstäbe der Fachdidaktik erfüllen.
Das vorliegende Unterrichtskonzept soll ein Beispiel für eine Realisierung in der Praxis darstellen, die sich vor allem an der alltäglichen Lebens- und Erfahrungswelt der Lernenden orientiert und die Nutzungspotenziale digitaler Medien in den Fokus stellt. Geeignet ist dieser Unterrichtsentwurf sowohl für die Sekundarstufe I als auch für die Sekundarstufe II.
Didaktische Überlegungen
Die hier vorgestellte Unterrichtsstunde stellt die sechste Stunde der Unterrichtseinheit „Spaltet der christliche Glaube Deutschland und Europa? dar. Der Stunde vorausgegangen ist eine Auseinandersetzung mit den Ursachen, dem Verlauf sowie den Folgen der Reformation und des Augsburger Religionsfriedens unter der plakativen Fragestellung „Friede, Freude, Eierkuchen? – Darf jetzt jeder glauben, was er will?
Den Schülerinnen und Schülern ist Martin Luthers Kritik an den Missständen der katholischen Kirche bekannt, weiterhin haben sie sich mit der territorialen Zersplitterung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation infolge des Augsburger Religionsfriedens auseinandergesetzt. Ziel der hier vorgestellten Unterrichtsstunde ist eine Beurteilung, inwiefern die Ursachen des Dreißigjährigen Krieges aus Sicht der beteiligten Akteure religiös oder machtpolitisch motiviert waren. Insofern kann auch die Verflechtung und Interessenvielfalt unterschiedlicher politischer und historischer Akteure exemplarisch aufgezeigt werden. Dies soll mit einer multiperspektivischen Herangehensweise erreicht werden. Relevante Analysebegriffe sind diesbezüglich „Anlass, „Ursache, „Interessse, „Motive und „machtpolitisch.
Des Weiteren basiert der Unterrichtsentwurf auf der Erkenntnis, dass sich die Lernenden in ihrer Lebenswelt weniger mit Quellen als mit vorgefertigten historischen Narrationen auseinandersetzen. Durch die humorvolle Konfrontation mit dem Kurzvideo kann zunächst die Dekonstruktionskompetenz gefördert werden. Ferner werden Analyse- sowie Sachurteilskompetenz gefördert. Den Schwerpunkt der Erarbeitung bildet die Auseinandersetzung mit einem Darstellungstext, der die Ursachen und den Anlass für den Krieg darstellt. Und auch hier kann gezeigt werden, dass Geschichtsunterricht nicht nur von Quellen zehren kann.
Der Darstellungstext kann von den Lernenden genutzt werden, um sich dem Thema perspektivisch zu nähern. Er stellt die...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen