5. – 13. Schuljahr

Existenzielle Unsicherheit

Der Dreißigjährige Krieg im Jugendbuch

Die Dinkelsbühler Kinderzeche stellt eines der charmantesten historischen Heimatfeste Deutschlands dar. Mit einem großen farbigen Umzug erinnert die ehemalige Reichsstadt alljährlich im Juli an die Zeit im Dreißigjährigen Krieg.
Das nicht verbürgte Geschehnis, auf das die Tradition zurückgeht, hat Petra Ziegler zum Anlass ihrer „Freundschaftsgeschichte („Bet Kindlein, bet, morgen kommt der Schwed) gemacht. Der Hergang ist rasch erzählt: Der katholische Tilman, Sohn einer Hebamme und Kräuterfrau, wird vom protestantischen Martin gerettet, wodurch er ins schwedische Lager gerät. Die zwischen den Fronten entstandene Verbindung der beiden bewirkt schließlich die Rettung des bereits von den Söldnern belagerten Dinkelsbühl.
Diese „schlichte Handlung hat die Autorin mit liebevollen Aquarellen illustriert. Der eingangs unterstrichenen Warnung, nicht ohne Zustimmung Kopien zu erstellen, wird man dennoch freiwillig Folge leisten das Bändchen weist eine Vielzahl von Rechtschreibungs- und Zeichensetzungsfehlern auf. Letztlich überschaubar ist auch der historisch-didaktische Gewinn.
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Das Kriegsende rückt Ka Jo Böhler mit seiner Erzählung „Der Friedensläufer in den Blick. Die 24 Kurzkapitel umfassende Geschichte ist spannend geschrieben und trifft den für die Zielgruppe richtigen Ton.
Der zwölfjährige Joann, der ein Leben ohne Krieg nicht kennt, wird zum Überbringer einer Botschaft aus Osnabrück gemacht, die nach Münster gelangen soll. Hierzu macht der Junge sich zu Fuß von Telligit (Telgte) zum Verhandlungsort der Katholiken auf den Weg. Der Autor richtet dabei sein Augenmerk auf den Alltag der Bevölkerung, deren andauerndes Leid er auch auf knappem Platz überzeugend darzustellen versteht. Verunsicherung und Verrohung bestimmen deren Dasein, besonders die Kinder holt das qualvoll Durchlebte traumatisch immer wieder ein. Zur Erleichterung der jungen Leser findet Joann nicht nur einen Hund als Begleiter, sondern auch einen wahren menschlichen Freund.
Die beim Mitfiebern mit dem Abenteurer sicher entstehenden Fragen zur Geschichte greift Böhler in seinen Anmerkungen auf. Die kurze Zusammenstellung informiert über die Tagungsorte, über den mühsamen Friedensschluss, sie präsentiert erdrückende Zahlen und wendet sich dem Thema Kindheit in dieser Zeit zu. Auch die angefügten Illustrationen regen das historische Interesse an.
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Dieter Fauth rückt mit „Comenius im Labyrinth seiner Welt einen Philosophen, Theologen und Pädagogen in den Blick, dessen Leben (1592 – 1678) die gesamte Zeit des Dreißigjährigen Krieges umspannt.
Der Autor Konrektor einer Schule, die den Namen des großen Tschechen trägt – hat jedem der drei Kapitel eine „Verstehensaufgabe angefügt. Zwar wünschte man sich an einigen Stellen des Buches weniger Wertung und mehr Distanz, insgesamt aber ist das Porträt einer Person geglückt, die ganz in der Epoche steht und diese dennoch, besonders was die Gedanken zu Erziehung und Schule betrifft, in genialer Weise hinter sich lässt.
Die ungebrochene Aktualität von Comenius ergibt sich nicht nur aus dessen Erfahrung von Krieg, Flucht und Exil, sie liegt auch in der Modernität eines pädagogischen Konzeptes, das zu forschendem Lernen ermuntert und damit im übertragenen Sinne zum Verlassen eines einengenden Labyrinths. Fauth, der immer wieder Bezüge zur Gegenwart herzustellen versteht, riskiert in diesem Zusammenhang einen (anspruchsvollen) Ausflug in die Philosophie.
Seine jungen Leserinnen und Leser spricht er persönlich an und hat auch deren Lernfortschritt stets im Blick („Du hast in diesem Buch schon etwas über England erfahren. Erinnerst du dich?). Leider ist die optische Aufmachung des Bändchens mit blassen Abbildungen weniger geeignet, die Zielgruppe zu motivieren. Eher „verschreckt sein dürfte diese auch von der (ausführlichen) Darlegung zum platonischen Stufenmodell.
Es bleibt zu hoffen, dass der „Superstar Comenius...

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