5. – 10. Schuljahr

Thomas Diehl

Der Dreißigjährige Krieg und seine sozialen Folgen

Die Opfer der Zivilbevölkerung anhand von Quellen und Statistiken erfassen

Der Dreißigjährige Krieg stellte für die Bevölkerung großer Teile des Heiligen Römischen Reiches eine Katastrophe nie da gewesenen Ausmaßes dar und war bis zum Ersten Weltkrieg fest im kollektiven Gedächtnis der Deutschen verankert. Im Vergleich zu den Weltkriegen im 20. Jahrhundert forderte er sogar relativ mehr Opfer und hatte nachhaltigere negative Folgen, die noch Jahrzehnte später spürbar waren und in historischen Dokumenten leichthin nachvollzogen werden können.
Die Zivilbevölkerung als Opfer des Krieges
Der Dreißigjährige Krieg fand in einer Zeit statt, in der anders als in dem unsere heutige Erinnerung prägenden Zweiten Weltkrieg die Zivilbevölkerung eigentlich nicht Ziel militärischer Aktionen war. Und doch wurde sie angesichts der Art und Weise der Kriegsführung zum primären Opfer beider Kriegsparteien.
Es war üblich wie angesichts der damaligen Infrastruktur notwendig, die Soldaten vor Ort zu versorgen notfalls auch durch den Einsatz von Gewalt. Die Heere konnten sich nicht selbst durch eigenen Nachschub ernähren, sondern mussten sich an Ort und Stelle nehmen, was sie brauchten. Innerhalb von vier Monaten konnte eine mitsamt Tross einquartierte Einheit die Ressourcen des ihnen zugewiesenen Raumes gänzlich aufbrauchen. Hinzu trat ein Kontributionssystem, durch welches die besetzten oder von Besetzung bedrohten Gebiete zur Leistung hoher Abgaben verpflichtet wurden, mit denen Sold und militärisches Material der Truppen finanziert wurden. Auch deswegen gab es in den obersten Reihen der Militärs kein Interesse, den Krieg und diese Umstände zu beenden. „Der Krieg ernährt den Krieg: Hinter diesem Motto verbirgt sich die Eigendynamik des Krieges, der auf beiden Seiten von selbstständigen Kriegsunternehmern wie zum Beispiel Tilly und Wallenstein geführt wurde, die mit diesem eben auch nach eigenen finanziellen Gewinnen trachteten (und woran sie die oberen Ränge ihrer Heere beteiligten).
Für die einfachen Soldaten gleichwohl waren die Soldzahlungen zumeist unzureichend oder blieben ganz aus. Um sie trotzdem bei Laune und in der eigenen Armee zu halten, musste ihnen über die Verpflegung hinaus die Möglichkeit der Bereicherung durch Plünderungen, auf kleineren oder größeren Streifzügen oder nach der Eroberung von Dörfern und Städten, geboten werden. Aus eigenem Interesse wurden daher derartige Vorgehensweisen durch die Heerführer geduldet. Den Soldaten war es dabei meist gleichgültig, ob sie sich momentan in Freundes- oder Feindesland aufhielten, vice versa hatte die Bevölkerung unter allen Heeren zu leiden und kannte keine „befreundeten Truppen. Unter den Söldnern bildete sich, angesichts der durch Kampfhandlungen wie auch den ständigen Kampf ums Überleben zunehmenden Verrohung, eine zunehmende Gewaltbereitschaft gegenüber der oft völlig ausgezehrten Zivilbevölkerung aus.
Folgen für die Menschen
Was diese Praxis für die Menschen bedeutete, lässt sich an unzähligen Quellen ablesen. Der vorliegende Beitrag bzw. Vorschlag bezieht sich auf Quellen aus dem Raum um Eschwege (Werra-Meißner-Kreis/Nordhessen). Ab 1623 hatte der Werraraum fast jährlich unter Durchmärschen oder Einquartierungen zu leiden und wurde damit zu einem der häufigsten Opfer des Krieges und seiner Folgen. Unter dauerhafter Mangelernährung leidend, erlagen die Menschen schneller und leichter als sonst Krankheiten und sonstigen Belastungen.
Die einquartierten und durchziehenden Soldaten brachten Krankheiten, vor allem in Form von Epidemien, gleich mit. 1626 wütete im Werraraum dann die Pest, die viele der geschwächten Menschen dahinraffte. Von der völlig ausgezehrten Bevölkerung, die die Einquartierungen zuvor mit passiver Akzeptanz über sich hatten ergehen lassen, konnten die einmarschierenden Truppen nun teilweise nur noch mit Gewalt die zum eigenen Überleben notwendigen...

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