5. – 10. Schuljahr

Marco Schöber

Der Dreißigjährige Krieg im Test

Eine Leistungsmessung zum Thema gestalten

Betrachtet man Leistungsmessungen von Lehrkräften, die in den Klassenstufen 5 bis 7 eingesetzt sind, so fällt häufig das Fehlen jeglicher quellenbasierter Aufgaben ins Auge. Im schlimmsten Fall werden zu Epochen und Ereignissen kleinschrittige Aufgaben im Stile „Wer? Wie? Was? Wo? Wann? formuliert oder Multiple-Choice-Aufgaben gestellt. Zu den Gründen für dieses Design einer Leistungsmessung und die Abwesenheit jeglicher Quellen befragt, hört man häufig das Argument: „Die können das doch noch nicht. Die verstehen doch noch gar nicht, was sie mit der Quelle machen sollen.
Mit „die sind die Lernenden gemeint, die von uns als Geschichtslehrkräften gelegentlich unterschätzt werden, denn eigentlich können sie schon – wir müssen nur an ihre Fähigkeiten/Fertigkeiten glauben. Die vielfältigen Kompetenzmodelle und Standards, die in den vergangenen zwanzig Jahren von Geschichtsdidaktikerinnen und -didaktikern erarbeitet worden sind (z.B. Pandel 2005, Schreiber 2008), haben alle eines gemeinsam: Sie gehen von einem Bündel verschieden benannter Kompetenzen aus, die sich in der Gestaltung von Aufgaben nach den drei Anforderungsbereichen gemäß EPA Geschichte (1989/2005) niederschlagen sollten.
Hilfreiche Wörtchen
Operatoren sind Verben, die den Lernenden in Aufgabenstellungen vermitteln, welche Handlung zur Lösung der Aufgabe von ihnen erwartet wird. Daher sollten diese hilfreichen Wörtchen mit Beginn des Geschichtsunterrichts in Klasse 5 schrittweise eingeführt werden. Die Kunst besteht hierbei darin, die Schülerinnen und Schüler bei der Auswahl der den Anforderungsbereichen jeweils zugeordneten Operatoren nicht zu überfordern und eine altersgerechte Sprache für die Formulierung der Aufgaben zu wählen.
So können die Lernenden keinerlei Operatoren verstehen, die sie bis zur Klassenstufe 7 noch nicht im Deutschunterricht behandelt haben, es sei denn, diese wurden separat im Geschichtsunterricht eingeführt. Diese Herangehensweise ist jedoch nicht empfehlenswert, da sich beim Operator „Erörtern (im Fach Deutsch zumeist frühestens in Klassenstufe 8) zeigt, wie viel Verwirrung seitens der Geschichtslehrkraft durch eine verfrühte Einführung in die Methode gestiftet werden kann. Auch sollte den Lernenden klar sein, dass sie beim „Diskutieren keineswegs mit ihrem Banknachbarn oder der Banknachbarin ins Gespräch kommen sollen und beim „Skizzieren keine Zeichnungen von ihnen erwartet werden.
Über Aufgaben sprechen
Um der Frustration sowohl bei der korrigierenden Lehrkraft als auch den Schülerinnen und Schülern vorzubeugen, ist es ratsam, die an die Operatoren geknüpften Erwartungen von Anfang an im Geschichtsunterricht zu besprechen. Ähnlich wie bei der Einführung der verschiedenen Quellensorten sollten auch die Operatoren mit zunehmender Progression des Schwierigkeitsgrads bzw. des geforderten Abstraktionsniveaus thematisiert werden. Dabei erweist es sich hilfreich, mit aus dem Alltag bekannten Operationen wie beschreiben, nennen, begründen, erklären, beurteilen und vergleichen zu beginnen. Von diesen ausgehend können im Verlauf der Sekundarstufe I weitere Operatoren „aufgesattelt werden.
Des Weiteren kann der beiderseitigen Frustration in der Situation der Leistungskontrolle selbst vorgebeugt werden, indem alle Aufgaben vor Beginn der Arbeitszeit durch die Lehrkraft mit der Klasse vorbesprochen und eventuell auftretende Fragen geklärt werden. Hier ist gelegentlich das Argument zu hören, dass die Lernenden nach dem vorangegangenen Unterricht in der Lage sein müssen, die Aufgaben ohne Hilfestellung, d.h. Fragen an die Lehrenden, zu bearbeiten. Jeder Mensch versteht Aufgabenstellungen trotz bekannter Operatoren auf seine/ihre Weise, sodass die Lehrerin/der Lehrer durch die Besprechung der Aufgaben lediglich dazu beiträgt, dass allen Lernenden die Erwartungen der Leistungskontrolle transparent sind, ohne durch das...

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