5. – 13. Schuljahr

Franziska Conrad

Der Dreißigjährige Krieg

Durch Krieg zum Frieden in Europa?

Der Dreißigjährige Krieg wird gegenwärtig im politischen und politikwissenschaftlichen Diskurs mit modernen Kriegen wie dem Syrienkrieg verglichen und gewinnt so neue Aktualität.
Der Dreißigjährige Krieg ein Analysemodell für gegenwärtige Kriege?
Der ehemalige deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier bezog sich auf den Westfälischen Frieden in seiner Eröffnungsrede zum 51. Deutschen Historikertag in Hamburg im Jahr 2016, um den praktischen Nutzen historischer Forschung für heutige Friedensbemühungen in Nahost darzulegen. Er erklärte, er habe im Auswärtigen Amt eine kleine Werkstatt eingerichtet, die Handlungsoptionen für die Gegenwart aufgrund der Analyse des Dreißigjährigen Krieges und des Westfälischen Friedens erforschen solle. Besonderes Interesse zeigt Steinmeier für die „Dritte Partei, die die gegenseitigen Blockaden auf dem Weg zum Frieden auflöste und die sich im Wesentlichen aus den Reichsständen rekrutierte. Steinmeier beschrieb sein Interesse folgendermaßen: „Es fasziniert mich zu lesen, wie sich damals, Mitte des 17. Jahrhunderts, sowohl im katholischen als auch im evangelischen Lager die Prioritäten der Akteure wandelten. Die Loyalität zu den großen Vormächten trat zurück zu Gunsten einer Orientierung auf den Frieden. Diese Neugewichtung zwang die Großmächte, neu zu kalkulieren. Denn weder Frankreich und Schweden noch Spanien und das Reich konnten auf Dauer ohne ihre Verbündeten agieren. (Steinmeier 2017, S. 7)
Den Erfolg der „Dritten Partei führt Steinmeier auf zwei Erfolgsfaktoren zurück: das Ernstnehmen der Angst der kriegsführenden Mächte vor Hegemoniebestreben und Bedrohung durch den Kriegsgegner und darauf aufbauend die Schaffung eines Systems kollektiver Sicherheit, das die Konflikttreiber einhegte.
Steinmeier wurde in seiner Suche nach Anregungen aus der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges und des Westfälischen Friedens inspiriert durch das „Forum für Geopolitik in Cambridge, das aus Wissenschaftlern besteht, die ein „Labor des Weltaufbaus gegründet haben und Diskussionen über einen Westfälischen Frieden für den Nahen Osten anstoßen wollen. Das Forum bringt, in Zusammenarbeit mit der Körber-Stiftung in Hamburg, Experten aus dem Nahen Osten, Europa und den USA zusammen, um über den Westfälischen Frieden zu forschen, seine „Mythen zu entlarven und zu überlegen, „wie sich das wahre westfälische Modell anwenden ließe, um zur Lösung des gegenwärtigen Konfliktes beizutragen (Simms 2017, S. 18f.).
Die Forschergruppe aus Cambridge widerspricht vor allem der Lesart, dass der Westfälische Friede die Herstellung moderner staatlicher Souveränität bewirkt habe. „Anders als es die mythische Erzählung will, die ‚Westfalen nach wie vor umgibt, entstanden in der Folge keine ‚souveränen Nationalstaaten. Der reale Westfälische Frieden war seiner Struktur und seinen Konsequenzen nach etwas ganz anderes: Er bekräftigte eine Ordnung bedingter Souveränität []. Das „Forum on Geopolitics schlägt einen Friedensschluss vor, der in Analogie zum Westfälischen Frieden wechselseitige Garantien für einen Frieden und wechselseitige Verpflichtungen zur Aufsicht beinhaltet. „Der Kongress könnte vielleicht ein Abkommen beschließen, das Teile des Nahen Ostens zu einer von außen garantierten Sicherheitszone umbaut, ähnlich dem Heiligen Römischen Reich. (Simms 2017, S. 18)
Auch den Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler inspiriert der Dreißigjährige Krieg. Er hat anlässlich des Gedenkjahres eine Publikation veröffentlicht (Münkler 2017a), in welcher er untersucht, ob dieser Krieg als Analysemodell für gegenwärtige Kriege taugt. Dabei vertritt er eine durchaus kontrovers diskutierte gegenwartsbezogene Sicht: „Der Dreißigjährige Krieg war ein ‚unordentlicher Krieg: viele wechselnde Fronten, immer wieder auch ein asymmetrischer Krieg, dazwischen Waffenstillstände und Friedensschlüsse, die...

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