5. – 10. Schuljahr

Karlheinz Lipp

30 Jahre Krieg

Sehnsucht nach Frieden

Der Dreißigjährige Krieg begann als regionaler Aufstand in Böhmen und entwickelte sich sukzessive zu einem europäischen Krieg mit Deutschland als Hauptkriegsschauplatz. Die Gewaltexzesse in einem langen Zeitraum beschäftigen sowohl die Geschichtswissenschaft als auch die Belletristik (Grimmelshausen, Brecht, Schiller).
Das Grauen des Krieges
Kriege damals wie in unserer Gegenwart kosten viel Geld. Die Organisation, Erweiterung und Versorgung (Lebensmittel und Waffen) von Armeen entwickelten sich zu einem lukrativen Geschäft. Traurige Berümtheit erlangten in diesem Zusammenhang der Kriegsunternehmer Albrecht Wallenstein und sein Bankier Jan de Witte ihr berüchtigter und folgenreicher Slogan lautete: „Der Krieg ernährt den Krieg.
Große, nationale Heere und kleine, regionale Truppenverbände der unterschiedlichsten Kriegsparteien zogen jahrzehntelang marodierend durch Mitteleuropa. Da die Söldner von ihren Generälen oder Anführern letztere würden heute eher Warlords genannt werden das Recht bekamen, ihren Lohn selbst durch Plünderungen zu besorgen, kam es zu katastrophalen Folgen für die zivile Bevölkerung: Folterungen, Morde, Vergewaltigungen, Zusammenbruch der Versorgung mit Lebensmittel, unhygienische Bedingungen, Verwüstungen ganzer Dörfer und Landstriche, Zerstörung von Städten. Die Forschung geht davon aus, dass circa 40 Prozent der Dorfbewohner diesem langen Krieg zum Opfer fielen. Mitunter kam es auch zu gewaltsamen Übergriffen der Bevölkerung auf Soldaten. Zahlreiche Gedichte, Lieder und Bildquellen vermitteln ein anschauliches Bild von den vergossenen „Tränen des Vaterlandes (Gryphius). Trotz der langen Kriegsdauer gelang keiner Kriegspartei ein entscheidender Vorteil. Die Kriegsmüdigkeit beschleunigte die Sehnsucht nach einem Friedensschluss.
Das Kriegsende und der Westfälische Friede wurden daher freudig begrüßt. In deutschen Territorien sowie europäischen Ländern kam es zu zahlreichen Friedensfeiern. Der Krieg zwischen Frankreich und Spanien beendete allerdings erst der Pyrenäenfrieden von 1659. Bei den Friedensverhandlungen in Münster und Osnabrück, die von 1643 bis 1649 andauerten, vertraten die verschiedenen Großmächte vor allem ihre eigenen Interessen. Es waren Diplomaten, die den europäischen Friedensvertrag aushandelten – die Zivilbevölkerung, der größte und am meisten betroffene Teil dieses Krieges, spielte beim Westfälischen Frieden keine Rolle. Die Kriegsgräuel, die eine wichtige Wahrnehmung des Dreißigjährigen Krieges darstellten, blieben unberücksichtigt und ungeahndet in der Nachkriegsgesellschaft lebten Täter und noch lebende Opfer nebeneinander.
Didaktische Überlegungen
Das Thema dieser zwei Unterrichtsstunden steht am Ende einer Unterrichtsreihe über den Dreißigjährigen Krieg. Die Ursachen und der grobe Verlauf dieses Krieges sind der Klasse also bekannt. Der Unterrichtsvorschlag soll den Schülerinnen und Schülern ein konkretes Bild der Zerstörung dieses sehr langen Konflikts etwa doppelt so lang andauernd, wie sie selbst alt sind – vermitteln und gleichzeitig die wichtige Bedeutung des Friedens bewusst machen. Die Jugendlichen können und sollen auch selbst ein Fazit des Dreißigjährigen Krieges ziehen.
Im Mittelpunkt steht eine Radierung mit einem ausführlichen Text aus dem Jahre 1649, also ein Jahr nach Kriegsende (Material 1 ). Der Friede und der Krieg werden personifiziert dargestellt und zwar als Gegensätze mit entsprechenden Symbolen. Ein Baum, der die Wappen des Kaisers, Frankreichs und Schwedens zeigt, trennt Frieden und Krieg. Diese Friedensallegorien gehörten zum festen Bestandteil der weit verbreiteten Friedenssehnsucht. Unter den beiden Teilen der Radierung befindet sich jeweils ein Text, der die Symbolik erläutert und ergänzt.
Die Jugendlichen lernen den Umgang mit einem Bild und einem Text anhand einer Quelle kennen. Die Radierung ist gut strukturiert und durch die beiden...

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