6. – 7. Schuljahr

Inga Kahlcke

Von Teufeln und Dämonen

Binnendifferenzierte Zugänge zur konfessionellen Bildpropaganda

Die Reformation ist als historisches Ereignis untrennbar mit der „Medienrevolution zu Beginn des 16. Jahrhunderts verbunden. Druckerzeugnisse boten Anhängern und Gegnern der reformatorischen Lehre bis dahin ungekannte Möglichkeiten, ihre Botschaften publikumswirksam zu verkünden. Neben dem Buchdruck mit beweglichen Lettern stellte auch das Aufkommen des Holzschnitts eine entscheidende technische Voraussetzung für das Entstehen einer „reformatorischen Öffentlichkeit (Wohlfeil 1982, 123 – 133) dar: Es entstanden Massenmedien, die sich nicht nur an die lesekundigen Eliten, sondern auch an die illiterate Bevölkerung wandten. Bildlichen Kommunikationsstrategien kam deshalb in der öffentlichen Auseinandersetzung zwischen Protestanten und Katholiken ein besonderes Gewicht zu.
Spott- und Schandbilder als konfessionelle Propaganda
Die Polarisierung und die Aggressivität dieser Auseinandersetzungen zeigten sich ganz besonders in den sogenannten Spott- und Schandbildern. Als frühe Formen von Karikaturen dienten sie der konfessionellen Propaganda: Sie spitzten theologische Debatten auf einfache und oft drastische Bilder zu, diffamierten die konfessionellen Gegner, mobilisierten die eigenen Anhänger, schürten Emotionen wie Angst und Wut und boten Orientierung in einer politisch und religiös als verunsichernd wahrgenommenen Zeit.
Verbreitet wurden solche Bilder als Titelillustrationen von Schmähschriften und als illustrierte Flugblätter. Bei letzteren handelt es sich um Einblattdrucke mit Bild-Text-Kombinationen, die literate und illiterate Rezipienten ansprachen. Flugblätter und Flugschriften wurden zu erschwinglichen Preisen unter anderem auf Märkten angeboten. Da damit zumeist eine Gewinnabsicht verbunden war, mussten die Erwartungen und Sehgewohnheiten der Adressaten bedient werden. Daher erlauben konfessionelle Spottbilder in besonderer Weise Einblicke in den Denkhorizont und die Interessen des „gemeinen Mannes in der Frühen Neuzeit (Schilling 1991, 109). Wiederkehrende Motive der konfessionellen Bildpublizistik waren etwa die Darstellung des Gegners als Teufel und Anspielungen auf die erwartete Apokalypse.
Flugblätter und Flugschriften erreichten Auflagen von mehreren hundert, mitunter sogar einigen tausend Exemplaren und fanden durch Vorlesen vermutlich ein noch größeres Publikum. Gemeinsam mit anderen schriftlichen und mündlichen Medien wie etwa Predigten, Liedern, Büchern oder öffentlichen Umzügen bildeten sie ein multimediales Arrangement, das die Reformation zum ersten großen Medienereignis der europäischen Geschichte machte.
Didaktische Überlegungen
Konfessionelle Spottbilder finden sich als Bildquellen zur Frühen Neuzeit in vielen Geschichtsschulbüchern. In der Tat haben sie ein hohes Lernpotenzial: Die drastischen Darstellungen werfen Fragen auf und erlauben grundlegende Einsichten in das Denken frühneuzeitlicher Menschen. Allerdings stellen sie Lernende auch vor große Herausforderungen, da sich insbesondere die biblischen Symbole und Anspielungen dem heutigen Betrachter nur bei genauer Untersuchung und mit viel Vorwissen erschließen. Für eine ergiebige Analyse greifen die methodischen Vorschläge in Schulbüchern daher häufig zu kurz. Schülerinnen und Schüler brauchen gezielte Informationen und eine Anleitung zum genauen Hinschauen, wenn sie im Unterricht gewinnbringend mit konfessionellen Spottbildern arbeiten sollen. Da Schülerinnen und Schüler sich in ihrer Kompetenz zur sorgfältigen Bildanalyse und in ihrem Vorwissen erheblich unterscheiden können, sind sowohl material- als auch aufgabendifferenzierende Angebote unerlässlich.
Mit den hier aufbereiteten Bildern können sich die Lernenden visuelle Propagandastrategien in der Zeit der Konfessionalisierung erschließen. Das Material berücksichtigt katholische und reformatorische Bilder. Es kann herausgearbeitet werden, dass beide...

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