8. – 8. Schuljahr

Christoph Wälz

Ein Erfolg für die Demokratie?

Die Frankfurter Nationalversammlung 1848/49 begründet beurteilen Differenzierung von Materialien nach Art und Anforderungsniveau

Mit der Wahl zur Nationalversammlung verschob sich im Mai 1848 der Schwerpunkt des revolutionären Geschehens von der Straße ins Parlament. Fast 600 Abgeordnete trugen nunmehr die Hoffnungen des deutschen Volkes auf „Einigkeit und Recht und Freiheit auf ihren Schultern. Damit begann ein langwieriger parlamentarischer Prozess, dessen Bewertung damals wie heute kontrovers erfolgt.
Die Nationalversammlung
Auf der einen Seite ist die Bedeutung des ersten deutschen Parlaments für die Demokratiegeschichte unstrittig. Unter dem Druck der revolutionären Ereignisse musste der Bundestag das einzige Organ der Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes seine Befugnisse auf eine von der Nationalversammlung eingesetzte provisorische Zentralgewalt übertragen. Mit den Ideen für einen kleindeutschen Nationalstaat und für eine Verfassung in Form einer konstitutionellen Monarchie wurden Lösungsansätze für die seit dem Wiener Kongress von 1815 virulenten Strukturprobleme erarbeitet. Mit einem Katalog von Grundrechten begegneten die Abgeordneten der seit den Karlsbader Beschlüssen von 1819 beklagten Unterdrückung in den Staaten des Deutschen Bundes.
Auf der anderen Seite bemängelte die zeitgenössische Kritik aus dem revolutionären Lager bereits 1848 die begrenzte Durchsetzungskraft der Nationalversammlung gegenüber den Fürsten. 1849 siegte die Reaktion militärisch und politisch. Die konstitutionellen, liberalen und demokratischen Vorstellungen der Abgeordneten konnten unmittelbar nicht umgesetzt werden.
Allerdings entfalteten diese Ideen langfristig Wirkung. Mit der Reichsgründung von 1871 wurde ein kleindeutscher Nationalstaat mit konstitutioneller Monarchie verwirklicht wenn auch durchgesetzt „von oben. Die Grundrechte dienten als Vorbild für die Weimarer Reichsverfassung von 1919 und das Grundgesetz von 1949. Ebenfalls langfristig wirkte die Nationalversammlung als Impuls zur Herausbildung von Parteien, fanden sich hier doch erstmals Fraktionen als Teil einer parlamentarischen Kultur zusammen.
Unterrichtsdramaturgie
Vorgeschlagen wird eine Unterrichtssequenz, die einzelne Ideen der Nationalversammlung (Grundrechte, Verfassung, Nationalstaat) aufgreift. Nach einer Anknüpfung an die März-Ereignisse und der Überleitung zur Frankfurter Paulskirche (z.B. durch eine diachrone Bildfolge) werden die Ziele der Bewegung in einem kurzen Lehrervortrag zusammengefasst. Der Bezug zur deutschen Nationalhymne bietet sich hier an, da die Konzepte der Nationalversammlung dieser anschaulich zuzuordnen sind („Einigkeit: nationale Einheit, Nationalstaat; „Recht: Verfassung; „Freiheit: Grundrechte). Im Hinblick darauf kann die Sequenz durch die Leitfrage, ob die Nationalversammlung „ein Erfolg für die Demokratie gewesen sei, strukturiert werden.
Die Schülerinnen und Schüler erwerben zunächst anhand eines Darstellungstextes Wissen zum Kontext (Material 1) und erarbeiten dann entweder arbeitsteilig einen der Lösungsansätze oder sukzessiv alle drei (Aufgaben 1 – 3; Arbeitsblätter 2 – 7), z.B. als Lerntheke oder Stationsarbeit. Sie analysieren diese im Hinblick auf den Erfolg der Nationalversammlung für die Demokratie und sammeln dazu Argumente. Diese Argumente werden im nächsten Schritt zusammengetragen. Dies kann bei arbeitsteiliger Erarbeitung entweder in Form von Stammgruppen oder durch Expertenvorträge geschehen. In jedem Fall sollte die Ergebnissicherung, verbunden mit einer Erläuterung der einzelnen Argumente, anschließend im Plenum erfolgen. Dazu wird eine Tabelle angeboten (Arbeitsblatt 7), die die pro- und kontra-Argumente nach der Frage strukturiert, ob die Deutschen „Einigkeit und Recht und Freiheit näher gekommen sind.
In der Auswertungsdiskussion kommen die Schülerinnen und Schüler zu einem Sach- und Werturteil.
Erweiterung
Diese...

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