5. – 7. Schuljahr

Dirk Witt

Aufgaben nicht nur erledigen

Wahldifferenzierung mit Fächeraufgaben

Die empirische Unterrichtsforschung hat in den letzten Jahren Ergebnisse geliefert, unter welchen Bedingungen besonders nachhaltige und sinnvolle Lernprozesse gelingen können. Zwei Aspekte spielen demnach eine wichtige Rolle: die Aufgabe als Kernstück des Lehrprozesses sowie die Schülerpartizipation an den eigenen Lernwegen. Eine besondere Herausforderung besteht dabei in dem Umstand, dass die derzeitige Schülerschaft aller Schulformen durch eine sehr hohe Heterogenität gekennzeichnet ist.
Fächeraufgaben als Instrument der Wahldifferenzierung
Wie gelingt es nun, auf Grundlage dieser Überlegungen Lernprozesse zu initiieren, zu begleiten, zu diagnostizieren und Schlussfolgerungen für die weitere Unterrichtsplanung zu ziehen? Einen erfolgversprechenden Weg bietet die Fächeraufgabe als ein Instrument der Wahldifferenzierung.
Fächeraufgaben „fächern den gemeinsamen Lerngegenstand für die Lerngruppe in unterschiedliche Wahlaufgaben auf, wobei das Lernmaterial für alle Schülerinnen und Schüler identisch wenn auch differenziert ist. Die einzelnen Fächer werden nach unterschiedlichen Kriterien (siehe Online-Material 4) definiert und formuliert. Hier besitzt die Lehrkraft entsprechend ihrer Zielsetzung sowie der Lerngruppe eine enorme Auswahlmöglichkeit. Es ist bei der Konzipierung der einzelnen Fächer darauf zu achten, dass ein „zerfasern vermieden werden muss. Alle Teilaufgaben müssen eine klare, eindeutige, für die Schülerinnen und Schüler erkennbare Bindung zur Kernaufgabe besitzen.
Ein Unterrichtsbeispiel
Die beispielgebende Fächeraufgabe wurde in einer 6. Klasse zum Thema „Kindheit im Nationalsozialismus durchgeführt. Die Unterrichtssequenz umfasste vier Doppelstunden. Im dargestellten Unterrichtsbeispiel lautete die Leitfrage: „Wie lebten die Kinder und Jugendlichen zur Zeit des Nationalsozialismus? Der Fächer ist nach dem Konstruktionsprinzip „vielfältige Lernprodukte konstruiert worden.
Nach der Phase der Vorwissensaktivierung erhielt die Klasse die Fächeraufgabe (Arbeitsblatt 1). Diese besteht aus sechs Fächern. Da die Schülerinnen und Schüler bereits ab Klasse 5 mit Fächeraufgaben lernen, ist die hohe Anzahl von Fächern gerechtfertigt. Bei der Einführung von Fächeraufgaben sollte deren Anzahl dagegen vier nicht übersteigen. Insbesondere bei Schülerinnen und Schülern mit einem Förderschwerpunkt Lernen und emotionale soziale Entwicklung sollte die Anzahl der Fächer eher gering gehalten werden.
Die zur Verfügung gestellten Lernmaterialien bestanden aus differenzierten Textquellen und Darstellungen, Bildquellen, Schaubildern sowie Lebenserinnerungen (Material 1 –  Material 3). Da nicht alle Lernmaterialien gleichmäßig für die gesamte Lerngruppe benötigt werden, reichen hier in der Regel fünf Kopien jedes Lernmaterials aus. Bei Bedarf kann im Notfall nachkopiert werden.
Die Schülerinnen und Schüler entschieden sich entsprechend ihres Interesses, ihres Vorwissens und ihrer Stärken für einen entsprechenden Fächer. Die begründete Wahl wurde im Klassenverband visualisiert. Dadurch konnten Lerngruppen nach dem Kriterium Wahldifferenzierung gebildet werden. Am Ende der ersten Doppelstunde wurde der Thementisch mit seinen Lernmaterialien gesichtet und der arbeitsteilige Lernprozess in der Kleingruppe geplant und schriftlich fixiert. Die Hausaufgabe bestand darin, weitere Lernmaterialien für den selbstgewählten Themenkomplex zu recherchieren und diese mitzubringen.
In den nächsten zwei Doppelstunden lernten die Schülerinnen und Schüler in ihren Kleingruppen motiviert, kommunikativ und konzentriert. Es war deutlich sichtbar, dass die Freiheit, eigene Entscheidungen über den zu gehenden Lernweg treffen zu können, viel Engagement und Durchhaltevermögen freisetzte. Ein hohes Maß an Individualisierung wurde erreicht. In dieser Lernphase konnte die Lehrkraft viel diagnostizieren, mit Kleingruppen inhaltlich arbeiten...

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